Aachener Ingenieurpreis für Manfred Weck

11.09.2017
Fünf Personen schauen in die Kamera Andreas Schmitter

Zum vierten Mal haben die RWTH und die Stadt Aachen einen Wissenschaftler für herausragende Leistungen ausgezeichnet. Am 8. September 2017 wurde der Aachener Ingenieurpreis an Professor Manfred Weck für sein Lebenswerk verliehen. Der gebürtige Solinger, der im November 80 Jahre alt wird, leitete von 1973 bis 2004 den Lehrstuhl für Werkzeugmaschinen und war Direktor im Werkzeugmaschinenlabor WZL der RWTH.

 

Bei dem Festakt im Krönungssaal des Aachener Rathauses wurde ein Mann gewürdigt, der als Vordenker im Bereich Werkzeugmaschinen und Produktionsanlagen gilt. Das betonte Professor Joachim Milberg, früherer Vorstand der BMW AG und zuvor einige Jahre Ordinarius des Lehrstuhls für Werkzeugmaschinenbau an der TU München. Diesen Posten sollte damals eigentlich Manfred Weck erhalten. Doch der blieb am WZL in Aachen und widmete sich dort intensiv dem Phänomen des Verhaltens von Werkzeugmaschinen. Er schuf beispielsweise Vorgehensweisen, mit denen sich das statische, dynamische und thermische Verhalten von Werkzeugmaschinen simulieren, visualisieren und optimieren lassen. „Manfred Weck hat in seinem Fachgebiet nicht nur intensiv wissenschaftlich gearbeitet, sondern darüber hinaus auch entscheidende Weichen gestellt und über Deutschland und Europa hinweg weltweit Impulse gesetzt.“

Mehr als drei Jahrzehnte habe Manfred Weck „mit Begeisterung, Engagement und ungebrochenem Ideenreichtum“ die Forschung in den Bereichen Entwicklung und Konstruktion, der messtechnischen Untersuchung und Beurteilung von Werkzeugmaschinen, der Steuer- und Automatisierungstechnik sowie der Handhabungstechnik und Robotik geprägt. Er habe damit als Innovator die großen Veränderungen in der Produktionstechnik seiner Zeit beeinflusst und den Wandel zum hochpräzisen High-Tech-Gerät mitgestaltet.

Der neue Träger des Ingenieurpreises war maßgeblich an der Einführung der CIM-Technologie beteiligt, also der computergestützten Produktion. „Ohne diese Vorleistungen wäre Deutschland nicht zu einem Leitmarkt für Technologien im Bereich Industrie 4.0 geworden“, sagte Laudator Milberg. Und Weck habe mit seiner wissenschaftlichen und stark praxisorientierten Forschung dazu beigetragen, die Herausforderungen des deutschen Werkzeugmaschinenbaus im Wettbewerb mit den Japanern zu meistern. Nicht zuletzt sei Weck auch ein hervorragender Lehrer gewesen, der in der Ingenieurausbildung Wert auf eine gute Balance zwischen Theorie und Praxis und zwischen Idee und Umsetzung in ein nutzbares Produkt gelegt habe. Weck habe in 31 Jahren fast 240 Promotionen und mehr als 1.000 Studien- und Diplomarbeiten begleitet. Dies zeuge von seiner Leidenschaft und seiner Lebensleistung als Hochschullehrer, sagte Milberg.

Mit dem Preis wolle die RWTH ihre Tradition der Ingenieurausbildung sichtbar machen, erklärte RWTH-Rektor Professor Ernst Schmachtenberg. Ingenieure seien die Treiber der Technikumbrüche, und diese Menschen wolle man nach vorne stellen. Oberbürgermeister Marcel Philipp hob die Bedeutung der Hochschule für die Stadt hervor. Von Aachen gingen bedeutende Innovationen aus, von denen viele im WZL entwickelt würden.

Der Verein Deutscher Ingenieure (VDI) stiftet in jedem Jahr den Preis in Form der Skulptur „Kreuzende Ellipsen“, der nun auch Manfred Weck verliehen wurde. VDI-Präsident Professor Udo Ungeheuer kennt den diesjährigen Preisträger aus seiner Zeit als Oberingenieur am WZL. Er habe damals die Führungsstärke Wecks und dessen herausragende Kenntnisse schätzen gelernt. „Weck ist eine Persönlichkeit, wie man sie heute schmerzlich vermisst: klare Vorstellungen, hohe Durchsetzungskraft und zu hundert Prozent verlässlich.“

Der Preisträger, gefragt nach seinem Eindruck von der Preisverleihung, gab eine Kostprobe seines zuvor gepriesenen Humors: „Ich war sehr beeindruckt von mir“, sagte Weck. Er wolle den Preis für alle Kollegen des WZL annehmen, denn ohne Mitarbeiter sei eine so erfolgreiche Arbeit nicht möglich gewesen. Weck beschrieb dies als besonderes „Wir-Gefühl“ im WZL, wo man gelernt habe, sich als Person zum Wohl der Gemeinschaft zurückzunehmen. Als Forscher und Hochschullehrer habe er eine sehr schöne Zeit erlebt. „Ich sehe mich als Praktiker und Theoretiker. Deshalb konnte ich den jungen Leuten viel mitgeben.“

Gelegenheit dazu bietet sich erneut bei der RWTH-Graduiertenfeier im Aachener Reitstadion. Dabei wird Manfred Weck als Träger des Aachener Ingenieurpreises die Festrede halten.